Die Natur rund um Wien als Inspirationsquelle
Nicht zuletzt hat auch der Zauber der Naturrund um die Stadt auf den Komponisten äußerst anregend gewirkt und damit zur Entstehung unvergänglicher Meisterwerken beigetragen. Beethoven nutzte jede Gelegenheit, um ausgedehnte Spaziergänge in der Umgebung Wiens zu machen. Es gibt noch vereinzelte alte Bäume, an welchen Beethoven möglicherweise vorbei gegangen ist – vielleicht hat er sich an den einen oder anderen sogar angelehnt, wenn er neue Gedanken in seinem Skizzenbuch notiert hat. Ein namhafter Professor in Wien sagte einmal sehr treffend zu einem Studenten aus Übersee, der ein Werk aus Beethovens Zeit zwar technisch gut spielte, aber nicht „den richtigen Ton“ in seiner Interpretation traf: „Gehen Sie in den Wienerwald, und danach spielen Sie mir das Stück wieder vor.“
Vielseitiges, reiches musikalisches Erbe
Vieles kann man in der Musik lernen und intellektuell erfassen. Aber manche wichtige Offenbarungen der Kunst lassen sich nur erspüren. Dazu gehört auch das persönliche Erleben der Atmosphäre am Wirkungsort von Künstlern. Wir behaupten: Beethoven hätte in einer anderen Stadt andere Musik geschrieben.
In Wien kann man nachempfinden und nachforschen, welches musikalische Erbe der junge Beethoven von seinem Vorbild, W. A. Mozart, und von seinem Lehrer, Joseph Haydn, übernommen hat. Hier kann man erahnen, in welcher Umgebung Beethoven und sein jüngerer Kollege Franz Schubert komponiert haben.
…und die Tradition setzt sich fort
Die Tradition Beethovens hat sich in Wien unmittelbar fortgesetzt und auf Persönlichkeiten wie Beethovens Enkelschüler Franz Liszt, seinen geistigen Nachfolger Johannes Brahms, den für die Beethoven-Rezeption so wesentlichen Gustav Mahler und auf viele andere Meister übertragen. Zeugnisse dafür finden sich in unzähligen musikalischen Einrichtungen, Komponisten-Gedenkstätten, Archiven, Bibliotheken, Konzerthäusern sowie Kirchen – und nicht zuletzt auf den Friedhöfen, auf denen neben Beethoven viele andere große Komponisten ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Der Lauf der Wiener Tradition geht weiter. Er führt über die „Zweite Wiener Schule“ von Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern – die sogenannte „Wiege der Zwölftonmusik“ – in die heutige Zeit mit ihrem vielfältigen kompositorischen Schaffen.